Die Konzertina
1. Ist die Konzertina ein downgrade zum chromatischen Akkordeon?
Nein. Es ist ein anderes Instrument.
Im Folgenden wird hier besprochen, weshalb bestimmte Konzertinas für eine Akkordeonspielerin besonders leicht zu erlernen sind. Konzertina-Systeme die einfach nur herrlich chaotisch (splendidly haphazard) sind, gehören nicht dazu.
Voraussetzung für zügiges Erlernen des Instruments sind Balggefühl und Hören, also genau die Dinge, die in Youtube-Videos nicht vermittelbar sind.
Mit einer 1,5 Kilogramm schweren Konzertina im Tagesrucksack zur nächsten Session zu gehen und dort niemand zu verschrecken, war für Tastenstreich Anlass sich mit dem Instrument näher zu beschäftigen.
Auch kann man eine Konzertina auf mehrwöchige Wander- und Kajaktouren mitnehmen.


2. Die Duett-Konzertina und das Wicki/Hayden-System
Aus der Überschrift ergeben sich zwei Fragen. Was ist eine Duett-Konzertina und was ist das Wicki/Hayden-System?
Sir Charles Wheatstone (1802 - 1875), für seine Beiträge zur Entwicklung der Wheatstone-Brücke (Elektrotechnik) bekannt, die zur Messung eines unbekannten elektrischen Widerstands dient, patentierte nebenbei 1829 die Englische Konzertina und 1844 die Duett-Konzertina.
Duett-Konzertinas zeichnen sich dadurch aus, dass sie gleichtönig sind. Sie erzeugen beim Drücken und Ziehen des Balgs - im Gegensatz zur Anglo-Konzertina (Diatonisches Akkordeon) - den gleichen Ton. Bei der gleichtönigen Englischen Konzertina spielt man Tonleitern links und rechts abwechselnd. Von der Dynamik mag das reizvoll sein, zwingt einen Akkordeonspieler aber, das gewohnte System zu verlassen.
Bei der Duett-Konzertina und der Wicki/Hayden Ton-Anordnung liegen aus Spielersicht die Basstöne links und die hohen Töne rechts (+ Überlappungsbereich), also genau wie beim Akkordeon.
Die Spielrichtung von tief nach hoch ist entweder gleich (uni-) oder gegengleich (bidirektional).
3. Dennoch eine Herausforderung
Die beidseitige Ton-Anordnung bei Konzertinas ist nur beim Wicki/Hayden System vollständig logisch und konsequent in den Griffmustern. Der Schweizer Kaspar Wicki patentierte es 1896, Brian Hayden 1986 in leicht veränderter Form. Egal welche Tonart man spielt, ist der Griff - etwa für die Dur- und Moll-Akkorde bzw. Intervalle (s.o.) - immer gleich.
Da hierzu die Einzeltöne gegriffen werden müssen, ist man mit Melodiebass-Erfahrung (Fingergedächtnis) bereits hervorragend aufgestellt.
Wer es noch genauer wissen will, schaue sich die Patentschrift an. Das Intervall- bzw. Akkordspiel kann man sich vergleichend für die vier Duett-Systeme (Mccann, Jeffries, Crane und Wicki/Hayden) im All-Systems-Duet-Workshop-Tutor ansehen und daraus eigene Schlüsse ziehen.
Alles Wissenswerte auf der Website www.concertina.com.
Hier geht es vorrangig um die Frage, ob eine Wicki/Hayden-Konzertina - speziell für Akkordeonisten - eine spieltechnisch einfachere Alternative zur viel weiter verbreiteten Englischen Konzertina bzw. Anglo-Konzertina sein kann.
Liegt ihre vergleichsweise unterentwickelte Reputation an der nur kurzen Spieltradition und diesbezüglich kaum nachgefragten Instrumentenbau, oder gibt es handfeste technische und musikalische Gründe?
Dies lässt sich nicht theoretisch erörtern - man muss spielen!

