Die Musik
Traditionelle Musik zwischen Überlieferung, Notensatz und KI
Auf der einen Seite steht die Tradition - Musikstücke, die von Generation zu Generation weitergegeben werden, sich dabei verändern und deren Ursprung sich irgendwann im Nebel verliert. Auf der anderen Seite steht die Komposition - in Noten fixierte Tonhöhen, Tondauern und Dynamiken, die Wiederholbarkeit ermöglichen, daneben aber noch Interpretationsspielraum lassen.
Heute hören wir unsere Lieblingsstücke oft hunderte Male in der identisch-digitalen Version. Wahrscheinlich wären wir, hörten wir plötzlich graduelle Änderungen in den aktuellen charts, irritiert.
Es gibt einen „intermediären“ Weg abseits genauer Notation und digitaler Fixierung. Beispielsweise haben die drei Musiker von Dreamer’s Circus oder das Duo Akleja u.v.a.m. ihre (neo)traditionellen Eigenkompositionen nach Schwierigkeitsgrad geordnet und in einfacher Form aufgeschrieben. Indem sie sie aus der Hand geben („Handed on“), hat ihre Musik die Chance, Teil lebendiger Tradition zu werden.
Die Vorstellung, dass eine (primär menschliche) Komposition und deren graduelle Veränderung durch andere Musiker künftig von künstlicher Intelligenz übernommen wird, die die Musiktraditionen der Menschheit effizient in die Zukunft führt, löst bei Tastenstreich keinen Enthusiasmus aus.
Musik braucht das menschliche Moment, die Reibung und vor allem eine bewusste Entscheidung. Eine auf unseren Verhaltensmustern (Hörgewohnheiten) beruhende algorithmische Selektion braucht sie nicht.

Der Konverter - ein unerklärtes Instrument
Der Konverter ist ein unerklärtes Instrument nicht nur in irisch-schottischer, französischer oder osteuropäischer Musik, sondern in traditioneller Musik (Folk) allgemein.
Die Musikbeispiele wurden mit einem kleinen Konverter mit 72 Bässen (MIII: 35 Töne; C-System) eingespielt. Kleine Instrumente vermitteln ein anderes Spielgefühl als ein großes Akkordeon-Schlachtschiff. Es sind erste tastende Schritte, um zunächst die solistischen Möglichkeiten und Grenzen in verschiedenen Folk-Genres auszuloten.
Das hier gezeigte Spiel bezieht die Grund- und Terzbassreihe des Standardbasses - der beim Umschalten auf den Melodiebass gewissermaßen brachliegt - mit ein. Daneben noch Musik des Barock, die aus Gründen der Tonhöhenrichtigkeit in der Regel nicht auf kleinen Akkordeons eingespielt wird, und ein wenig Jazz.
Irish & Nordic Folk
In Irland - weniger in Schottland - sind Konzertina und Melodeon die maßgeblichen Harmonikainstrumente, nicht zuletzt deswegen, weil sie in Sessions andere Melodieinstrumente nicht plattmachen. Konverter gibt es (noch) keine.
In allen skandinavischen Ländern wird das Chromatische Akkordeon in der traditionellen Musik geschätzt. Konverter werden vergleichsweise selten gespielt.

The Coolin - An Chúilfhionn
Ein traditionelles irisches Air aus dem 13. Jahrhundert. Der Versuch, ein damals schon häufig gespieltes Luftinstrument zu imitieren.
Gangar/Younger Norway
Ein norwegischer Schreittanz, den man einmal beim Spazierengehen summen sollte. Es wird von Melodieauf Standardbass umgeschaltet.
Corney’s Coming
Corney’s Coming is ist ein bekannter Irischer Reel auch bekannt als Honeymoon Reel. Für die tiefen Bässe werden die Stradella Bassreihen genutzt.
Französisch traditionell
Bal Folk
Anfang der 1980er Jahre fuhr man Freitag-Nachmittag los, um ziemlich gerädert ab dem nächsten Tag in Saint- Chartier im Berry, dem Zentrum Frankreichs, während der Rencontres internationales de Luthiers et Maîtres Sonneurs in traditionelle Musik einzutauchen. Im Kopf hielt der Klang von Dudelsack und Drehleier noch wochenlang an.
Der Bal Folk - Tanz mittendrin in der Musik. Ein Anachronismus erfreut sich in Deutschland zunehmender Beliebtheit.

Ridée de St. Jean
Auch Laridé de St. Jean Brevelay. Ein Volkstanz aus der Bretagne. Bass und Diskant wechseln sich bei der Stimmführung ab.
Branle de Quercy
Ein alter Kreistanz aus dem Südwesten Frankreichs adaptiert aus G. Espitaliers Folklore-Fibel. Auf Melodie- folgt Standardbass.
Berceuse pour un loulou
Ein modernes Stück von Camille Passeeri von hypnotischer Qualtität. Eine Gavotte l'Aven passt dazu. Man sieht die wiederkehrenden Griffmuster im Bass.
Polyphoner Barock
Klassische Musik ist - abgesehen von Wein - das beste Produkt das es auf der Welt gibt. Weder verschwinden die vielen genialen musikalischen Ideen, noch nutzen sie sich ab.
Mit historisch informierter barocker Aufführungspraxis lässt sich mit einem winzigen Konverter-Akkordeon natürlich nicht punkten. Diese Musik kann aber auch auf einem kleinen Akkordeon zu einer inspirierenden persönlichen Entdeckungsreise werden. Die Beispiele sind von leicht nach mittelschwer geordnet.

Allegro in D moll
Ein Stück von Louis Nicolas Clérambault (1676 - 1749) aus dem polyphonen Spielbuch von Mogens Ellegaard.
Menuett G moll BWV Anh. II 115
Eines der bekanntesten Stücke aus dem Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach. Die Autorenschaft liegt wohl bei Christian Petzold (1677 - 1733).
Fantasia D moll BWV 905
Die Musik stammt vermutlich von Johann Sebastian Bach (1685 - 1750). Ein
mysteriöses Stück, das mich technisch überfordert, aber auch fasziniert.
Small Jazz
Spontan eingspielte Jazz-Standards, an die man sich gewöhnen kann, aber nicht muss. Wiederum geht es in erster Linie darum, das kleine Akkordeon bzw. den kleinen Konverter in seiner Ausdrucksfähigkeit vorzustellen, bzw. auszuloten.

Blue Bossa
Ein Stück von Kenny Dorham (1924 - 1972) einem Bebop-Trompeter. Der Bossa wurde hier gegen Tango und Walzer getauscht, aber es ist noch blue.
Take fife
Der Altsaxophonist Paul Desmond (1924 - 1977) schrieb dieses bekannte Stück. Vom Tonumfang reicht ein 48bässiges Akkordeon.
My funny Valentine
Richard Rodgers (1902 - 1979) war ein prägender Musicalkomponist.
Jeder sollte einen Valentin kennen.
Multiinstrumental
Eine kleine Auswahl todtrauriger Balladen, mit folgenden
Instrumenten eingespielt (Handyrecorder - overdub).
- Gitarre: Washburn Prairie Song
- Mandoline: Blazer
- Akkordeon: Zero Sette B10A
- Low whistle: Chieftain
- Cajon: Meinl

- Down by the Salley Gardens Die Verse des Dichters William Butler Yeats, die Musik „The Maids of
Mourne Shore" - ein Air. Dass Weidengärten (Holzgewächse der Gat- tung Salix) für die Korbflechterei gemeint sind, ist nachvollziehbar.
- Raglan Road Der engl. Liedtext ist ein Gedicht von Patrick Kavanagh. Die dahinter stehende wahre Geschichte beschreibt H. Fries in ihrem Blog. Die kur-
sierenden deutschen Übersetzungen sind das reine Grauen.
- The Parting Glass Das Lied wird in Schottland und Irland bei der Verabschiedung, nach
dem letzten Glas, von Freunden gesungen. Den Text zur (neuen) Me- lodie von Shaun Davey hörte ich in der umwerfenden Filmkomödie
„Waking Ned Devine“ zum ersten Mal.
Duo- und Trioprojekte
Hier werden in nächster Zeit noch Aufnahmen aus Duo- (Klezmer; Arbeiterlieder)
und Trioprojekten (Real Book Standards) eingestellt.
